Es ist lange her, dass ich Boysetsfire gehört habe– das letzte Mal und bewusst danach nicht mehr, beim Chiemsee Rock-Festival von einigen Jahren. Warum, würde den Rahmen dieser Einleitung zum neuen Album der Mannen um Nathan Gray sprengen, dass schlicht und ergreifend selbstbetitelt daherkommt und insgesamt 13 Songs beherbergt.

Selbstredend enthält auch das neue Machwerk einige hörenswerte, in typischer Boysetsfire-Manier gefertigte, Beiträge – nehmen wir heir ruhig diese neutrale Formulierung, die meistens in eine der zwei der Band immanente Kategorien fallen. Sprich: entweder eher melodisch und Indierock-mäßig oder Breitseite voll auf die Fresse! Nur selten gelingt es eine gefällige Kombination der beiden Extreme, aber wenn dann klappt das richtig gut. Etwa bei „Heaven Knows“, das hier abermals verwurstet wird und eigentlich von Nathan Gray’s Zweit-,Dritt- oder Viertband (je nach Ansicht) The Casting Out Band stammt. Ansonsten plätschern die ruhigen Songs ein wenig zu ruhig dahin, sind gefällig und fast schon klassisch poppig, was ich aber ehrlich gesagt auch nicht wirklich hören will.
Bei den härteren Stücken ein ähnliches Bild: harte musikalische Untermalung seitens der Band, Nathan schreit, kreischt und brüllt in souveräner Manier, so richtig warm werde ich mit den Songs aber nicht. Ein wenig lau wirkt das Album über die gesamte Distanz betrachtet, eine EP (gibbet ja so nicht…) mit drei, vier Songs – das wäre besser und wahrscheinlich auch ehrlicher gewesen. Ich weiß, die Erwartungen des Publikums, der Plattenlabels, der eigene Anspruch, die Rente und überhaupt…

Nach vielen Jahren (ab 1994 mit Unterbrechungen) der Band-(nicht)Existenz also ein routiniertes Album – das mich nicht besonders überrascht und einen faden Nachgeschmack hinterlässt, wenn man die Entwicklung von Boysetsfire mal mehr, mal weniger intensiv verfolgt hat. Spätestens mit dem Wirbel um „After The Eulogy“ hat man versucht das Potenzial der Band abzuschöpfen, mit Major-Label-Deal, Rückkehr als geläuterte Hunde in den Underground (hüstel…) usw…

Scheint wohl nicht so hingehauen zu haben mit dem Durchbruch, und na klar, man muss das Eisen schmieden, so lange es noch warm ist, und, tatata….Boysetsfire sind wieder da! Wo wir dann auch wieder bei der Einleitung und der Frage wären, was ich in aller Welt beim Chiemsee Rocks-Festival verloren hatte. Die einfache ehrliche Antwort: ich wollte einmal wenigstens die Foo Fighters gesehen haben, zu einem akzeptablen Preis, versteht sich. Es war warm, es war Sommer und der Chiemsee ein schönes Fleckchen Erde.

Im Rahmen des Festivals (auf dem auch Rise Against und The Mighty Mighty Bosstones auftraten) gaben sich Boysetsfire die Ehre, aber so lustlos, lasch und zynisch, dass sich Sänger Nathan Gray die Zeit damit vertrieb, das Festivalpublikum, das weder die Band kannte noch seine Ansagen und Sprüche verstand, zu beleidigen und fertigzumachen. Das nehme ich ihnen ein wenig krumm. Dann spielt da eben nicht, wenn es euch zu peinlich oder zu lästig ist.
Ob es diesmal klappt mit der ganz großen Karriere: keine Ahnung, vielleicht wirkt das neue Album auf einen nicht voreingenommenen Hörer ja auch viel besser.

Boysetsfire – s/t (2015) Hörprobe

Wer nicht Unsummen für mehr oder weniger limitierte Vinyl-Versionen ausgeben möchte, da gerade hier in Deutschland ein übertriebener Hype um die Band gemacht wird, sollte sich gleich für die US-Pressung auf Bridge 9 Records entscheiden – kommt für knapp 20 Dollar inklusive Porto zu euch nach Hause. Es stehen die Farben „magenta (500 Stück) sowie „blue“ (1000 Stück) zur Auswahl.

Boysetsfire -s/t (2015)
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