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Der Intelligenzija vergoldetes Geschwaetz

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Während ich so darüber nachdenke und beim Fernsehen die neuesten Nachrichten wahrnehme, (ich schaue euronews und praktischerweise zeigen sie die Ereignisse der letzten Stunden ohne Worte, so als ob sie mir sagen wollten: „wir haben verstanden, wir wissen, dass die Lage der Welt schon schlimm genug ist, da braucht es nicht auch noch unserer drögen Kommentare), kritzle ich ein paar Binsenweisheiten auf eine Serviette. Das Schlimme ist, andere Leute sehen darin so etwas wie den Versuch, sich in einer Zeit, in der vermeintlich bereits alles gesagt worden ist, über unsere Sprachlosigkeit hinwegzusetzen. Sie sollten erstmal sehen, welch exorbitante Qualitäten ich beim Scheißen an den Tag lege, wenn ich versuche, unserer sprachlichen Verstopfung eine in Keramik abgeseilte adäquate und wahrhaftige Metapher zu setzen. Es macht wohlig flutscht, es kommt ganz tief innen aus mir raus und ich sehe jedes Mal die Mistkäfer vom Feuilleton wie Skarabäen gleich meinen pharaonischen Kot zu formvollendeten kleinen Pillen drehen. Aber genug der Wort, hier geb ich euch meinen letzten Stuss:

Ein Mann zieht es vor, in die Wüste zu gehen, als allein zu sein.

Das größte Unglück des Menschen besteht darin, Zeit seines Lebens einem flüchtigen Augenblick des Glückes nachstellen zu wollen. Glücklich, wer die Hoffnung hat fahren lassen.

Vergiss nie woher Du kommst, dann weißt Du auch, wohin Du gehst.

Das Suchen erschwert das Finden.

Erfinde nie etwas, was es in irgendeiner anderen Form nicht schon gegeben hat.

Gib den Armen Kuchen, und sie werden es Dir mit Maschinengewehrsalven zurück bezahlen. Lehre ihnen das Laster, und sie werden Dich als einen neuen Messias feiern.

Du kennst die Antwort, nur fällt es Dir schwer, sie losgelöst Deiner selbst als richtig zu betrachten.

Hüte Dich vor den Verkündern der reinen Wahrheit, denn sie sind die größten Lügner.

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28 Tage, 6 St., 42 Min. & 12 Sek. oder nicht ganz

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Wir haben uns von der Vorstellung einer großen Erzählung gelöst, wir haben Religionen verbraucht und Götter entmachtet; wir haben Menschen mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen, Menschen mit Idealen der Lächerlichkeit preisgegeben. Wir haben die Lust zum Leiden verloren. Wir sind uns unseres eigenen Selbst bewusst. Wir akzeptieren keine höhere Macht. An unserer Seite gibt es kein miteinander. Aber trotz allem halten wir an der lächerlichen Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität, zwischen Erlebtem und Erdachten, zwischen Sein und Nichtsein fest.

Ein Schreiber schreibt. Alles was er schreibt ist wahr und gleichzeitig falsch. Er dichtet nichts hinzu, er erfindet nichts, bestenfalls gelingt es ihm, den Vorgängen in seinem Kopf eine passende Form zu geben. Alles was er schreibt, hat bereits im Vorfeld existiert. Je eher er damit beginnt, die Geschichte aufzuschreiben, desto eher wird er damit Erfolg haben. Je länger er wartet, je länger er sich damit Zeit lässt, desto wahrscheinlicher wird er scheitern. Die Welt hat ein Verfallsdatum. Alles andere ist Zeitverschwendung. Vergebliche Liebesmühen. Er wird versuchen sich selbst einzubringen, er wird an der Geschichte herumdoktern wie an einem kranken Patienten. Er wird in der Illusion etwas Eigenes kreiert zu haben, untergehen.

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Über das Lesen

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Früher habe ich sehr viel gelesen, nicht absolut sondern relativ gesehen. Absolut sicher bin ich mir, dass ich viel mehr lese als früher in der Gesamtmenge- zählt man das berufsbedingte Lesen (geht es bei uns nicht immer nur ums Lesen?) sowie die Gesamtheit an Freizeitaktivitäten abgesehen vom Lesen von Büchern, die in irgendeiner Form oder der anderen lesend vonstatten gehen (ergo fast alle) zusammen, so komme ich bestimmt auf eine Gesamtzahl an Stunden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit absolut über dem Durchschnitt liegt. Das ist aber relativ egal. Zwar war Früher nicht alles besser, abgesehen von der Zukunft vielleicht, aber kam einem nicht alles relativ bedeutungslos vor in Anbetracht eines guten Buches? Gut, es gab noch immer Dinge, die wertvoll erschienen (eine neue oder eine gute alte Platte, Falafel, Essen in seiner Gesamtheit, Dinge intimster Natur etc) aber trotz alledem: War ein gutes Buch nicht das absolut Beste, Quintessentiellste aller möglichen Dinge? Wie konnte es in relativ kurzer Zeit so viel an Bedeutung verlieren?

Da ich also so gut wie nie lese und daher keine Ahnung habe, was gut oder schlecht ist – d.h. früher konnte ich selbst angetrunken auf jeder Party sehr treffsicher ein bedeutsames oder schweres Buch empfehlen und damit jede Menge Eindruck/Mitleid (das wohlige Gefühl für einen Eierkopf gehalten zu werden fehlt mir) schinden, so denke ich heutzutage beim Begriff “schwer verdauliche Kost” eben erstmal an…ach lassen wir das…

Jedenfalls, sogar meine Frau (meine Frau!) sagt, ich lese zu wenig und hat mir ein Buch besorgt. Ich habe daraufhin, um den oberen Gedankengang abzuschließen, da ich ja mittlerweile wie angedeutet weiß, dass ich von Büchern keine Ahnung habe, mir das allseits abgefeierte “Gegen die Welt” besorgt. Ich habe mich so langsam glaube ich festgebissen, so dass ich gar nicht erst dazu kam, mir ein Bild der allgemeinen Rezeption sowie die der Kulturkritiker zu machen. Und ja, seht mich mitleidig an oder haltet mich für einen Sonderling, ohne das ganze Geschwätz drumherum macht das Lesen viel mehr Spaß – ergo:

Lesen “Eins” – Kulturkritiker “Nuuuuuull!”

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„Es gibt unter ihnen noch lebhafte Geister“ – Reflexion über „Italien retten“ von Paul Ginsborg

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Paul Ginsborg, der seit 2009 die italienische Staatsbürgerschaft angenommen hat, zitiert zu Beginn seines vielbeachteten Manifestes (er selbst spricht angesichts des 100-seitigen Umfanges fast liebevoll von “Bändchen”) Lord Byrons Anmerkung über eine der Konstanten der neueren Geschichte Italiens, dass es unter ihnen, die ansonsten nur für ihre Opern und Makkaroni zu rühmen seien, noch einige Köpfe geben, die die Rettung und den Wiederaufbau Italiens ermöglichen könnten. Lord Byron soll diese Worte allerdings an einem Morgen, Ende April des Jahres 1821 gesagt haben.

Dazwischen liegt der Risorgimento und seine gescheiterten Experimente in Sachen kommunaler Erhebungen in den Jahren 1848/49 (die Republiken in Mailand oder Venedig etwa) und seine Mündung in einen zentralistischen, monarchischen Staat, der den Aufstieg zur Industrienation, den Anschluss an die Moderne gewährleistete, indes Defizite und Unterschiede der italienischen Nation zementierte- Defizite und Unterschiede, die auch Italien, als unerfüllte Nation, geradewegs in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges hineingeraten ließen und in der Folge den Nährboden für das faschistische Ventennio (die 20 Jahre der faschistischen Diktatur) lieferte. Damit nicht genug, nach 1945 wurde das politische Leben bis 1992 von den Christdemokraten dominiert, die sich, im Unterschied zu anderen Ländern nicht zur staatstragenden Partei entwickelten oder die europäische Integration vorantrieben, sondern im Verbund mit der ureigenen italienischen Tradition des Klientelismus vielmehr zum staatsaushöhlenden weißen Wahl (“la balena bianca”) mutierten, fernab von den basisdemokratischen Ideen eines Don Sturzos oder des paneuropäischen Gedankengut eines Alcide de Gasperis. Dazwischen, anschließend oder währenddessen: die Mafia, Camorra, ‘Ndrangheta, rechter und linker Terror, P2, Craxi oder Tangentopoli. Und dann kam Silvio…

Angesichts all dieser Katastrophen und Dysfunktionalitäten sollte es vielmehr verwundern, dass dieser gebeutelte Staat 2011 sein 150. Dienstjubiläum bestreiten konnte. Dienst an einem Land, dass davon kaum je etwas wissen wollte. Zunächst einmal: Gratulation, “Bel Paese”, Du bist noch am Leben!

Sommer 2010, irgendwo tief unten am italienischen Stiefel. Es ist warm, wie immer. Über dem Land ein ewigblauer Himmel, umtriebige Geschäftigkeit am frühen Morgen, die Einheimischen nutzen die frühen Morgenstunden, ganz im Gegensatz zum gängigen Italienbild nördlich der Alpen, um Alle wichtigen Besorgungen des Tages zu tätigen. Um halb Zehn ist die frische Ware in den Supermärkten schon längst ausgeräumt, wenn die ersten Touristen gegen später in die Stadt strömen, finden sie das vor, was ihrem mentalen Bild entspricht, sprich: die Stadt ist menschenleer. Als würden die faulen Südländer mal wieder nicht arbeiten. Indes ist ihnen die geschäftige Umtriebigkeit in den frühen Morgenstunden entgangen, auch bleibt ihnen die Verwunderung erspart, die einen schärferen Beobachter überfällt: was zum Teufel gibt es in diesem gottverlassenem Land eigentlich so vieles zu tun? Ich fühle mich an Bukowskis ¨Das Schlimmste kommt noch¨Beschreibung Los Angeles zur Zeit der Großen Depression erinnert, als die Väter und Ehemänner geschäftsmäßig in das Auto zu steigen und so zu tun pflegten, als fuhren sie zur Arbeit. Niemand wollte sein Gesicht verlieren. Niemals will niemals die Hoffnung aufgeben.
Da ich der Natur eines Urlaubes entsprechend über viel Zeit, gepflegte Langeweile und eine gewisse Neugierde verfüge, lese ich täglich drei bis vier Tageszeitungen: einmal querbeet durch das Land und alle politische Lager. Zwei große Themen füllen das Sommerloch (neben den obligatorischen Transfergerüchten von Ibrahimovic oder Maicon): einerseits Finis Bruch mit dem Cavaliere, andererseits die Vorbereitungen der Festlichkeiten anlässlich des 150. Jahrestags des italienischen Staates. Während die Geschichten um/mit Berlusconi (Bunga Bunga sollte noch kommen) zwar von der üblichen skandalsuchenden Gier, die dem modernen, kritischen Tagesjournalismus anhaftet gekennzeichnet ist, und nur selten erste zaghafte Versuche der offenen Kritik an Berlusconis Bienno wagt, wird die Berichterstattung zur Einigung Italiens von einer Lähmung durchdrungen, die auf frappierende Art und Weise die Stimmung am Nachmittag in einer beliebigen italienischen Stadt widerspiegelt. Über allem eine gespentische Lähmung, Resignation. Das Gespenst der Separatisten geht un in Italien. Gepaart mit dem historisch verwurzeltem, allgegenwärtigen Regionalismus entsteht ein seltsamer Effekt: Die meisten Artikel lesen sich wie Grabesreden, darüber können die von der Regierung auf welche Art auch immer lancierten patriotisch-nationalistisch gefärbten Artikel, die die Singularität der Einigung Italiens hervorheben wollen, nicht hinwegtäuschen.

Die Voraussetzungen sind nicht besonders günstig für Ginsborgs Vorhaben, so etwas wie eine Grundlage für die nächsten 150 Jahre Italien zu schaffen, und es gehört eine große Portion Mut, Liebe und wirklichkeitstrotzender Naivität dazu, sich gerade in solch einer Situation hinzustellen und “Italien retten” zu wollen.

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