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Salad Days

Discography : Rain On The Parade – 1995-2000 58 Songs umfassende Werkschau der Band aus Philadelphia

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Rain On The Parade hatte ich für kurze Zeit über die Compilation „Punk Uprisings Vol. 2 “ auf dem Schirm gehabt, aber wie so viele Dinge mit der Zeit völlig vergessen. Wie gut, dass es noch gute Menschen da draußen gibt, die sich abseits von Trends solcher Bands annehmen.

Stormy von Blogged and Quartered hat Mal wieder ganze Arbeit geleistet und der Band in Form einer (wahrscheinlich nahezu) umfassenden Discography eine posthume Würdigung verschafft.

Rain On The Parade Releases

  • 1995 Demo
  • 1996 Contention Records Demo
  • 1997 Body Bag 7″
  • 1997 Full Speed Ahead 7″
  • 1997  Fired Up 7″
  • 1997 The Time is Now  7″ (Compilation)
  • 1997 Growing Stronger 7″ (Compilation)
  • 1999 It’s a Verb CD (Compilation)
  • 2000 When It Rains, It Pours LP

Zeitlich und musikalisch fiel man mit dem grassierenden End-90er-Youth-Crew-Revival zusammen, was sicher auch ein Hauptgrund dafür gewesen sein mag, weshalb Rain On The Parade alsbald vergessen wurden bzw. in der nicht überblickbaren Flut an ähnlichen Veröffentlichungen untergegangen sind. Rain On The Parade gehörten aber sicher zu den besseren Bands des Genres, und waren, nur am Rande erwähnt, auch keine reine Straight Edge-Band . Damals wie heute irritierend, dass die Band im nur knapp ironischen Stil grenzdebil vor einem Panzer im Miltär-Outfit posierte. Wenn halt amerikanische Teenager versuchen witzig zu sein…

Nach knapp fünf Jahren strich man die Segel und lies die Band nach Veröffentlichung der ersten LP in die ewigen Jagdgründe übergehen.

Insgesamt finden sich 58 Songs aus den oben aufgeführten Veröffentlichungen und Compilation-Beiträgen auf der Discography, weshalb auch das ein oder andere Stück mehrfach hier vertreten ist.

Links

Blogged and Quartered Punk Uprisings Vol. 2 ( Go-Kart Records)

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Gathering Ground – Figure it Out EP

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Alle, die ich Mitte der 90er Jahre mochte, mochten auch Gathering Ground und ihre einzige Veröffentlichung namens Figure It Out. Die 7′ habe ich damals auf dem Plattenspieler meiner Eltern rauf und runtergespielt und auf unzählige Mixtapes gebannt, die ich aufnahm, um die Schule zu überleben. Mindestens einer der beiden Songs (‚Tumble‘ oder ‚Bluegreygreen‘) fand sich auf Zusammenstellungen, die ich für Freunde und Bekannte aufnahm, die mich baten, ihnen eine Punk, Hardcore oder Emo-Kassette aufzunehmen. Es hat alles nichts geholfen, die Jungs aus Buffolo sind damals sang- und klanglos untergegangen. Es kam nichts nach, so sehr ich auch hoffte. (mehr …)

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Open Your Mouth and Say… Mr. Chi Pig (2009) Die Dokumentation über einen Sänger, der mich dazu brachte, mit übergroßen gelben T-Shirts durch die Gegend zu laufen...

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Mitte der 90er Jahre war ich oft in einem übergroßen knallgelben T-Shirt anzutreffen, das von einer Katkus-Gurke verziert wurde. Es war ein Shirt der kanadischen Skatepunk-Legende SNFU. In Ermangelung einer differenzierten Größenauswahl und meiner fragwürdigen Ernährungsgewohnheiten – Snickers und Cola, dazu viel Pizza und Falafel- fiel meine Wahl auf XXL. Was trotz damaliger propperer Körperdimensionen mindestens zwei ‚X‘ zu viel waren.

Bei einem Umzug letztes Jahr entdeckte ich das gute Stück und zog es spaßeshalber einmal über. Es hatte unzählige Waschgänge und Konzerte überlebt und sah dementsprechend nicht mehr ganz so taufrisch, sondern übel mitgenommen aus.

„Übel mitgenommen“  war auch die naheliegende Formulierung, die mir nach der Filmdokumentation ‚Open Your Mouth and Say… Mr. Chi Pig‘ (2009) in Bezug auf den Sänger der Band durch den Kopf ging.

Erschreckend musste ich feststellen, wie schlimm es allein körperlich um den Frontmann Mr Chi Pig (bürgerlich Kenneth Chinn) bestellt war, dessen Zähne sich als Folge seiner Crystal Meth-Vergangenheit irgendwann einmal verabschiedet hatten. Scheinbar komplett hinüber, der Vollbart kaschiert das nur bedingt. Und hier darf der Vollbart auch mal voll Vollbart sein, nicht so eine designte Hipsterkacke im Gesicht wie es heutzutage angesagt ist.

Was zunächst wie eine x-beliebige Band/Musiker-Dokumentation erscheint, entpuppt sich sehr schnell als eine von Sean Patrick Shaul feinfühlig eingefangene Charakterstudie des Mannes hinter der Bühnenfigur Mr Chi Pig. Leider waren neben seinem Alter Ego und SNFU wohl nicht besonders viele gute Dinge dabei.

Natürlich erfährt man nebenbei auch viel über die Band, ihre Anfänge, ihre Erfolge in der Underground-Szene der 80er Jahre usw., dies alles rückt aber angesichts der tragischen Ereignisse und Schicksalsschläge, die der ständig rauchende und trinkende schmächtige Mr Chi Pig erleidet (bzw. besser gesagt sich selbst zufügt) in den Hintergrund.

SNFU in Australien (September 2015)

SNFU in Australien (September 2015)

Ein wenig Hoffnung kommt immer wieder auf, wenn die Band reformiert wird und der Kerl irgendetwas Sinnvolles tun kann, das ihn davon abhält, weitere Dummheiten anzustellen. Vor diesem Hintergrund erst erschließen sich mir die Texteilen von Cockatoo Quill ( auf ‚In The Meantime And In Between Time‘ aus dem Jahre 2004), weil man merkt, dass es sich um eine schonungslose Introspektive handelt:

It’s so easy just to fuck it all
And go for the mersyndol,
Or something stronger to get me back
On the wagon I just fell off of,
Another swig,
One last gulp,
One more tablet to pop,
Anything to get me to start
Working on what I’ve been putting off.

Eine ungewöhnliche Dokumentation einer ungewöhnlichen Person, die mich da zum Kaktus-Gurken-Shirt-Tragen brachte: schonungslos ehrlich, mitunter auch amüsant und tra­gi­ko­misch. Durchweg empfehlenswert solltet ihr mal drüberstolpern. Und um den erzählerischen Faden fortzuspinnen, der bei ‚Open Your Mouth and Say… Mr. Chi Pig‚ im Jahre 2009 aufhört: SNFU sind seitdem wieder aktiv und auf Tour, waren in Europa und zuletzt in Australien. Band-Therapie geglückt? Ich hoffe es!

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Trial Are These Our Lives? (1999)

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Trial aus Seattle, Washington waren eine Straight Edge-Band, die vordergründig betrachtet dem typischen SXe-Sound der frühen/mittleren Neunziger frönten ( á la Burn, Strife, etc) und diese musikalische Nähe mag nicht wenige erschrecken, die von einer Hardcore-Band auch Inhalte jenseits der Szene-Klischées transportiert sehen wollten.
In Trials Welt ging es aber nicht um Mode, Backstabbing und „True till Death“-Geschwätz, der Straight Edge-Gedanke mochte der innere Antrieb gewesen zu sein, äußerte sich jedoch nie in platten Phrasen und schlug sich daher allerhöchstens in Textzeilen wie „I alone maintain control I accept no higher soul, I am my beginning and my and my end.“ nieder. Wenn überhaupt..und dann in einem erweitertem, umfassenderen Kontext.

Insgesamt waren die Texte der Band jederzeit hochpolitisch, durchdacht und inspirierend. Erwähnenswert auch, dass die allerorten anerkannten „Catharsis“ mit Trial befreundet waren, ein musikalisch ganz anderes Konzept fuhren aber so etwas wie Brüder im Geiste darstellten. Die Beschäftigung mit Bakunin, Goldman, Nietsche und Goethe zeugen vom Versuch, die darin enthaltenen Gedanken und deren kulturelle und politische Sprengkraft aus den hohen und de facto bedeutungslosen Elfenbeintürmen der Hochkultur in eine damals (wie heute) dahinsiechende soziokulturelle Realität überzuführen. Trial waren es, die mich damals dazu verleiteten, Nietsche wieder herauszuholen und dem „ganzem Scheißgeschwätz“ eine zweite Chance zu geben.

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