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Royal Headache – High (2015) | Don’t call them ’soul punk’….

What’s Your Rupture|Distant and Vague Recordings, 2015

Bereits im August veröffentlichten Royal Headache ihr zweites Album ‚High‘, welches aber erst jetzt den Weg hierher findet – das ist dann versprochen auch das letzte Review für dieses Jahr.

Kurzum, Royal Headache erfinden das Rad nicht neu, sind aber wie nur wenige Bands in der Lage, aus altbekannten Zutaten ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Ihr 2011er Debütalbum war noch einen ganzen Ticken ungeschliffener und mit ganz viel snottiger Attitüde versehen. Royal Headache haben diesen gewissen souligen Mod/60ies Garage-Punk-Einschlag, wer also mit The Jam etwas anfangen kann, könnte hier sehr glücklich werden.

‚Electric Shock‘, um das Pferd einmal von hinten aufzuzäumen, ist ein krachig-verschrammelter Ohrwurm, ‚Carolina‘ ein ruhiger Vertreter im midtempo-Bereich, ‚Garbage‘ hier und da auch schon einmal als (Gitarren-)Song des Jahres gehandelt. In der Tat handelt es sich um einen wirklich exzellenten Song, der sich im Verlauf zu steigern weiß und in Form des Refrains auch so etwas wie Mitgrölfaktor entwickelt:

Tried to call you on the phone cause you get me high
Couldn’t leave your name alone cause you get me high
I know I could just go home but now I don’t know why
When I just wanna stay with you cause you get me high
(aus: Royal Headache:High)

Überhaupt, die Stimme von Frontmann Shogun ist mit „außergewöhnlich“ nur unzureichend exakt beschrieben: stellt euch vor, Jimmy Pursey hätte als neue Anstellung einen Job bei den Australiern angenommen und anstatt immer wieder nur ‚If The Kids Are United‘ anzustimmen, würde er fortan im hohen Alter plötzlich seine emotionale, romantische Seite entdecken. Hört man so nicht alle Tage und führt dazu, dass man die Songs nicht so schnell wieder vergisst. Sie steht, anders als noch auf dem Debüt-Album von 2011, auch stärker im Vordergrund und wurde nicht so weit nach hinten abgemischt. Nicht alle Songs können mich vom Hocker reißen, gerade ‚Carolina‘ (siehe Video), ist nicht meine Baustelle.

Die Crux an solchen Bands wie Royal Headache ist ja eigentlich gar keine musikalische, aber sie kann einem manchmal trotzdem den Spaß an der Sache verderben:  ein vorzugsweise britischer Musikkritiker versucht alle paar Jahre einen neuen Sex Pistols-Nachfolger auzurufen, der Punk, die Musik-Welt und das gesamte britische Commonwealth retten soll und blablabla, weshalb man sich reflexartig von den meisten dieser Bands abwendet. Dafür können die Australier nun wirklich nichts, genauso wenig wie für den Begriff ’soul punk‘, der ihnen angeheftet wird.

Royal Headache – High Stream & Links

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Das Debüt-Album hat zwei Jahre mehr auf dem Buckel, klingt aber noch sehr frisch und unverbraucht. Wenn euch ‚High‘ zusagt, dürfte der erste Longplayer eigentlich ganz nach eurem Geschmack sein.

Geschrieben von Gary

Schreibt und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen.

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