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The New Breed

Shunkan – The Pink Noise (2015) Wintertauglicher Neben-dem-Abwasch-hören-Soundtrack aus Neuseeland

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Die letzten Tage über habe ich das ein oder andere Mal in ‚The Pink Noise‘ der neuseeländischen Band Shunkan reingehört. Die Band kommt aus Neuseeland und nicht wie der Name nahelegen würde, aus Japan oder Fernost. Zu hören gibt es gitarrenlastigen Indie-Pop mit weiblichem Gesang und einer punkigen, Lo-fi-igen Note.

Shunkan bedeutet in der japanischen Sprache ‚Moment, in einem Augenblick‘ wie die 21-jährige Sängerin Marina Sakimoto in einem Interview verriet:

I’ve struggled with being present in the moment. In Los Angeles, I was constantly planning and preparing for things that I had no control over. Shunkan in Japanese means ‚moment‘ or ‚in a moment‘, so that’s what I want to be. (in: BrooklynVegan)

Das  Album ist einerseits schön stimmig, in sich geschlossen und durchaus geeignet Anflüge schlechter Laune zu vertreiben, andererseits aber auch ein wenig beliebig: summa summarum also wunderbar, um nebenbei wichtigere Dinge zu erledigen – Staubwischen, den Weltfrieden herstellen oder in der Nase popeln waren spontan die ersten drei Dinge, bei denen ich die 11 Songs habe laufen lassen. Das hört sich jetzt ein wenig vernichtend an, ist aber im Fall von Shunkan und ‚The Pink Noise‘ gar nicht so gemeint. Hört selber einmal rein, weiter unten (das Bild der Vinyl-Version musste ich in voller Auflösung einfügen, schaut nämlich gut aus und passt prima zur Musik) habe ich den Stream von der Bandcamp-Seite verlinkt.

pink_noise Hörprobe und Links: Shunkan – The Pink Noise (2015)

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Swiss Revolution Summer : Deadverse – Musth Review Take It Back & Adagio 830 Records, 2015

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Wenn ich das richtig verstehe, wird in den Release-Infos zum aktuellen Album von Deadverse angedeutet, dass ‚Musth‘ das letzte Album der Schweizer sein könnte. Ohne mich, liebe Eidgenossen, ihr mögt zwar nicht in der EU sein, aber auch für euch gelten einige ungeschriebene, quasi grenzübergreifende Gesetze: eines davon besagt, dass ihr euch unmöglich auflösen könnt, bevor ich euch nicht mindestens einmal auf eure Live-Qualitäten hin überprüft habe!

Das ist jetzt zugegeben nicht die Schuld des Quartetts aus Schaffhausen – den süddeutschen Raum haben sie in den letzten Jahren (die Band existiert bereits seit 2007) mehrfach beackert, aber jemanden grundlos etwas in die Schuhe zu schieben geht doch immer, oder? Egal, zurück zur Musik auf ‚Musth‘, denn die ist wirklich interessant. Deadverse stellen zumindest für mich das perfekte Bindeglied zwischen verschiedenen Subgenres und Jahrzehnten emotionaler Hardcore/Punk-Musik dar und kochen daraus ihr eigenes Süppchen: ich werfe jetzt einfach Mal alle Bands in den Raum, die mir beim Hören einfallen, isoliere für euch sozusagen nur die rohen Zutaten, für das Kochen und Anrichten bin ich ja schließlich nicht zuständig: aus den 80ern Hüsker Dü, Grey Matter, dazu The Wipers (als New Wave/Punk-Referenz), eine Schippe DC-Sound, eine große Portion Ebullition Records-Sound, dazu aus den 90ern Bands wie etwa How Water Music zu ihren Anfangstagen.

Klingt wie ein Potpourri sich ausschließender Ingredienzien? Ist auch so, aber letztlich ist das die benötigte Spannung, die es braucht, damit eine Band einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Für den typischen Emo-Rock-Sound der 90er fehlt der Zuckerguss, der hier durch eine gehörige Portion dissonanter Harmonien ersetzt wird, anders als beim typischen 80er Sound haben die Songs aber mehr als nur einen Hauch catchyness und Mitsing-Faktor mit auf den Weg bekommen.

Ich unterziehe die 10 Songs einer radikalen Prüfung hin als Hintergrund-/Begleitmusik für diverse aktuell anfallende Aktivitäten wie Frühstücken, nervige Nachbarn durch Öffnen der Balkontür an meinen von Helene Fischer meets Andreas Bourani abweichenden musikalischen Präferenzen teilnehmen lassen (sorry Deadverse, aber den Blicken nach zu urteilen seid ihr gnadenlos durchgefallen…) und Ablenken vom riesigen Korrekturstapel, der noch vor mir liegt, sowie diverse andere Proben, auf die ich vielleicht ein andermal zu sprechen komme. Allesamt nicht soo punkrockige Tätigkeiten, die ihr aber in diesem Sinne mit Bravour gemeistert habt.
Von mir bekommen Deadverse mit ihrem dritten Album Musth keine Wertung, sondern schlicht und ergreifend die Bitte mit auf dem Weg, sich die Sache mit der Auflösung der Band doch noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Deadverse – Musth Streams und Links

Facebook-Seite Take It Back Records Adagio830 Records

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MARRÓN – Marrón (Take It Back Records, 2015)

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Ohne Klischees, intelligent, eigenständig und durchdacht führen uns MARRÓN einmal mehr die Schattenseiten des bevölkerungsreichsten Bundesstaates der USA vor Augen. Aus Südkalifornien stammend, aber nicht so sonnig und ungetrübt wie viele andere Bands aus der Gegend, gibt es zur Abwechslung endlich einmal wieder intelligenten und motivierenden Hardcore zu hören, der weder Parolen, noch Moshparts, mehrstimmigen Gesang oder Gang-Vocals braucht, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die Mitglieder der Band haben in der Vergangenheit bereits in diversen anderen Formationen wie Esperanza, Mugre und Descarados gespielt, und das merkt man der 6 Songs-EP auch an: das ist sowohl musikalisch, als auch textlich durchdacht und auf den Punkt gebracht. Musikalisch bewegen wir uns in Washington, DC Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre: Grey Matter oder SWIZ sollten bei Eingeweihten eine grobe Orientierung ermöglichen. Manchmal klingt für mich auch eine Prise Black Flag durch, etwa beim zweiten Song ‚Slew Foot‘, der vom Rhythmus ein wenig an ‚Rise Above‘ erinnert. Wenn es eine weitere kalifornische Band sein darf, dann würde ich Kill The Messenger anführen, die es ebenso wie MARRÓN schafften, viel Druck aufzubauen und heavy zu sein, ohne Metal-lastig zu klingen – in diesem Sinne also lupenreiner, schnörkelloser Hardcore mit punkiger Note.

There’s a barrio in every place
Of our mind
There’s a barrio in every place
There’s a barrio in every place
By design (aus: Vallejo)

Darüber hinaus bietet die Band auch textlich eine gewisse Dimension und Tiefe, die sie wohlwollend von anderen Vertretern des Genres abhebt. Der alltäglich Rassismus, die Ungleichheit werden in den Texten behandelt –Themen, die nicht nur in ihrer südkalifornischen Heimat auf der Tagesordnung stehen und gerade bei uns von brisanter/tragischer Aktualität sind.

MARRÓN – Marrón Streams & Links

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Problem Dog – Old News EP

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Ob das Quartett aus dem kalifornischen Modesto bzw. Oakdale auf den Hund gekommen ist und sich nach einer Episode der Kult-Serie Breaking Bad Problem Dog genannt hat, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen. Die Crux an der ganzen Sache ist aber auch eine andere: ich bin kein Fan von Breaking Bad (habe nur vor Jahren die ersten fünf Folgen gesehen) und musste zur Sicherheit halber googeln, was es mit dem Haustier auf sich hat.

Problem Dog Bandlogo

Problem Dog Bandlogo

Weitaus leichter ist es für mich zu beurteilen, was Problem Dog abliefern: zu hören gibt es meist unproblematischen flotten Emo-Punk, der sichtlich um Abwechslung bemüht ist. Der vierte Track ‚Michigan‘ zeigt die Band von einer recht dunklen, düsteren Seite mit brachialem Geschrei, gleich darauf gibt es aber als Kontrapunkt sehr relaxte Klänge und Laidback-Gesang im fünften Song. Problem Dog kehren aber in ‚Full-Bellied Zenkai Power‘  recht schnell wieder in typische Fahrwasser zurück. Ein wenig auf den Sack geht mir der mehrstimmige Gesang bzw. wenn ein zweites Bandmitglied ganz arg verzweifelt leidend herumbrüllt – ist halt nicht so mein Ding. Davon abgesehen geht das aber in Ordnung.

Zum Schluss gibt es mit ‚Treasured Things‘ ein rein akustisches Lied, dass nach dem kurzem Durchlauf ein ansprechendes Finale der EP liefert. Nach zwei einzelnen Tracks (‚Ropes‘ und ‚Michigan‘) in anderer Besetzung stellt ‚Old News‘ die erste zusammehängende Veröffentlichung dar.

Problem Dog – Old News Stream & Links

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