TALCO-Silent-Town

Talco – Silent Town Review

Talco haben mit Silent Town ein neues Album – überraschend? Nein, nicht wirklich, denn es wurde für viele Fans allerhöchste Zeit, dass die Italo-Punker ein neues Lebenszeichen setzen.

Es ist das mittlerweile sechste respektive siebte (wenn man das 2014er Live-Album hinzurechnet) Album, das wieder einmal bei Destiny Records erscheint.

Auch wenn ich mich nicht als DieHard-Fan bezeichnen würde, so muss ich bei näherem Nachdenken schon feststellen, dass ich beinahe das gesamte musikalische  Schaffen von Talco recht gut kenne.

Wem das Ganze bereits jetzt zu schwefelig ist, der sollte sich schnurstracks auch „Silent Town“ besorgen, denn es ist rein musikalisch für sich betrachtet eines der besten Talco-Alben. Alle anderen können nach dem „gutes Album, aber“ noch weiterlesen.

Talco ist Talco ist Talco

So musikalisch gut und inhaltlich integer  Talco auch sein mögen, haben sie sich mit jedem neuen Album in EINE bestimmte Richtung hineinmanövriert, aus der sie wahrscheinlich nicht mehr hinauskommen werden. Böse Zungen mögen von musikalischer Sackgasse sprechen, ich halte es da lieber etwas neutraler mit dem Ramones-Paradigma: sie dann gut, wenn sie die immer gleichen Akkorde neu auflegen. Auch „Silent Town“ist  letztlich trotz gradueller Verschiebungen ein typisches Talco-Album. Es klingt wie die beste Platte, die sie jemals hätten aufnehmen können, nur dass es davon bereits ein halbes Dutzend gibt. Talco ist Talco ist Talco.

Differenzierter schaut es auf der rein textlichen Ebene aus, die dem bei „La Cretina Commedia“ begonnenen Konzept-Album-Prinzip folgt und zusammen mit „Gran Galà“ eine wohl abgeschlossene Trilogie bildet. Das klingt sehr ambitioniert und stellt in diesem Genre ein Alleinstellungsmerkmal dar, zumal auch immer wieder betont wird, wie durchdacht die Texte sind. Das ist mit Sicherheit so, vor allem im Vergleich mit den reichlich platten Texten des Erstlings. Sie sind ernster, melancholischer, wortmächtiger und poetischer als bei anderen Bands; eher in der Tradition italienischer Liedermacher. Sie brauchen sehr viel Zeit und setzten ein bestimmtes Maß an Vorverständnis voraus, um sich in der Bedeutung, von mir aus auch bildlichen Schönheit, voll zu entfalten. Zeit, die der energetische Hispeedsound nicht gewähren und englische Übersetzungen, bei denen all das verloren geht, was sich rein unter der formal inhaltlichen Ebene befindet. Das mag für viele sehr reizend sein, stößt mir aber immer ein wenig auf. Ich behaupte jetzt auch einmal, dass Talco die wahrscheinlich „am besten nicht-verstandene Band“ der Welt ist.

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