Über das Lesen 22

Über das Lesen

Früher habe ich sehr viel gelesen, nicht absolut sondern relativ gesehen. Absolut sicher bin ich mir, dass ich viel mehr lese als früher in der Gesamtmenge- zählt man das berufsbedingte Lesen (geht es bei uns nicht immer nur ums Lesen?) sowie die Gesamtheit an Freizeitaktivitäten abgesehen vom Lesen von Büchern, die in irgendeiner Form oder der anderen lesend vonstatten gehen (ergo fast alle) zusammen, so komme ich bestimmt auf eine Gesamtzahl an Stunden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit absolut über dem Durchschnitt liegt.

Das ist aber relativ egal. Zwar war Früher nicht alles besser, abgesehen von der Zukunft vielleicht, aber kam einem nicht alles relativ bedeutungslos vor in Anbetracht eines guten Buches? Gut, es gab noch immer Dinge, die wertvoll erschienen (eine neue oder eine gute alte Platte, Falafel, Essen in seiner Gesamtheit, Dinge intimster Natur etc) aber trotz alledem: War ein gutes Buch nicht das absolut Beste, Quintessentiellste aller möglichen Dinge? Wie konnte es in relativ kurzer Zeit so viel an Bedeutung verlieren?

Da ich also so gut wie nie lese und daher keine Ahnung habe, was gut oder schlecht ist – d.h. früher konnte ich selbst angetrunken auf jeder Party sehr treffsicher ein bedeutsames oder schweres Buch empfehlen und damit jede Menge Eindruck/Mitleid (das wohlige Gefühl für einen Eierkopf gehalten zu werden fehlt mir) schinden, so denke ich heutzutage beim Begriff “schwer verdauliche Kost” eben erstmal an…ach lassen wir das…

Jedenfalls, sogar meine Frau (meine Frau!) sagt, ich lese zu wenig und hat mir ein Buch besorgt. Ich habe daraufhin, um den oberen Gedankengang abzuschließen, da ich ja mittlerweile wie angedeutet weiß, dass ich von Büchern keine Ahnung habe, mir das allseits abgefeierte “Gegen die Welt” besorgt. Ich habe mich so langsam glaube ich festgebissen, so dass ich gar nicht erst dazu kam, mir ein Bild der allgemeinen Rezeption sowie die der Kulturkritiker zu machen. Und ja, seht mich mitleidig an oder haltet mich für einen Sonderling, ohne das ganze Geschwätz drumherum macht das Lesen viel mehr Spaß – ergo:

Lesen “Eins” – Kulturkritiker “Nuuuuuull!”

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