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    Swiss Revolution Summer : Deadverse – Musth Review

    Wenn ich das richtig verstehe, wird in den Release-Infos zum aktuellen Album von Deadverse angedeutet, dass ‚Musth‘ das letzte Album der Schweizer sein könnte. Ohne mich, liebe Eidgenossen, ihr mögt zwar nicht in der EU sein, aber auch für euch gelten einige ungeschriebene, quasi grenzübergreifende Gesetze: eines davon besagt, dass ihr euch unmöglich auflösen könnt, bevor ich euch nicht mindestens einmal auf eure Live-Qualitäten hin überprüft habe!

    Das ist jetzt zugegeben nicht die Schuld des Quartetts aus Schaffhausen – den süddeutschen Raum haben sie in den letzten Jahren (die Band existiert bereits seit 2007) mehrfach beackert, aber jemanden grundlos etwas in die Schuhe zu schieben geht doch immer, oder? Egal, zurück zur Musik auf ‚Musth‘, denn die ist wirklich interessant. Deadverse stellen zumindest für mich das perfekte Bindeglied zwischen verschiedenen Subgenres und Jahrzehnten emotionaler Hardcore/Punk-Musik dar und kochen daraus ihr eigenes Süppchen: ich werfe jetzt einfach Mal alle Bands in den Raum, die mir beim Hören einfallen, isoliere für euch sozusagen nur die rohen Zutaten, für das Kochen und Anrichten bin ich ja schließlich nicht zuständig: aus den 80ern Hüsker Dü, Grey Matter, dazu The Wipers (als New Wave/Punk-Referenz), eine Schippe DC-Sound, eine große Portion Ebullition Records-Sound, dazu aus den 90ern Bands wie etwa How Water Music zu ihren Anfangstagen.

    Klingt wie ein Potpourri sich ausschließender Ingredienzien? Ist auch so, aber letztlich ist das die benötigte Spannung, die es braucht, damit eine Band einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Für den typischen Emo-Rock-Sound der 90er fehlt der Zuckerguss, der hier durch eine gehörige Portion dissonanter Harmonien ersetzt wird, anders als beim typischen 80er Sound haben die Songs aber mehr als nur einen Hauch catchyness und Mitsing-Faktor mit auf den Weg bekommen.

    Ich unterziehe die 10 Songs einer radikalen Prüfung hin als Hintergrund-/Begleitmusik für diverse aktuell anfallende Aktivitäten wie Frühstücken, nervige Nachbarn durch Öffnen der Balkontür an meinen von Helene Fischer meets Andreas Bourani abweichenden musikalischen Präferenzen teilnehmen lassen (sorry Deadverse, aber den Blicken nach zu urteilen seid ihr gnadenlos durchgefallen…) und Ablenken vom riesigen Korrekturstapel, der noch vor mir liegt, sowie diverse andere Proben, auf die ich vielleicht ein andermal zu sprechen komme. Allesamt nicht soo punkrockige Tätigkeiten, die ihr aber in diesem Sinne mit Bravour gemeistert habt.
    Von mir bekommen Deadverse mit ihrem dritten Album Musth keine Wertung, sondern schlicht und ergreifend die Bitte mit auf dem Weg, sich die Sache mit der Auflösung der Band doch noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

    Deadverse – Musth Streams und Links

    Facebook-Seite Take It Back Records Adagio830 Records
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    Problem Dog – Old News EP

    Ob das Quartett aus dem kalifornischen Modesto bzw. Oakdale auf den Hund gekommen ist und sich nach einer Episode der Kult-Serie Breaking Bad Problem Dog genannt hat, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen. Die Crux an der ganzen Sache ist aber auch eine andere: ich bin kein Fan von Breaking Bad (habe nur vor Jahren die ersten fünf Folgen gesehen) und musste zur Sicherheit halber googeln, was es mit dem Haustier auf sich hat.

    Problem Dog Bandlogo
    Problem Dog Bandlogo

    Weitaus leichter ist es für mich zu beurteilen, was Problem Dog abliefern: zu hören gibt es meist unproblematischen flotten Emo-Punk, der sichtlich um Abwechslung bemüht ist. Der vierte Track ‚Michigan‘ zeigt die Band von einer recht dunklen, düsteren Seite mit brachialem Geschrei, gleich darauf gibt es aber als Kontrapunkt sehr relaxte Klänge und Laidback-Gesang im fünften Song. Problem Dog kehren aber in ‚Full-Bellied Zenkai Power‘  recht schnell wieder in typische Fahrwasser zurück. Ein wenig auf den Sack geht mir der mehrstimmige Gesang bzw. wenn ein zweites Bandmitglied ganz arg verzweifelt leidend herumbrüllt – ist halt nicht so mein Ding. Davon abgesehen geht das aber in Ordnung.

    Zum Schluss gibt es mit ‚Treasured Things‘ ein rein akustisches Lied, dass nach dem kurzem Durchlauf ein ansprechendes Finale der EP liefert. Nach zwei einzelnen Tracks (‚Ropes‘ und ‚Michigan‘) in anderer Besetzung stellt ‚Old News‘ die erste zusammehängende Veröffentlichung dar.

    Problem Dog – Old News Stream & Links

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    Losing Sleep – Fear Of Missing Out LP

    Verdammt, ich hab‘ nen Ohrwurm, den ich so schnell nicht wieder los kriege. Schuld sind Losing Sleep mit ihrem Teaser vom kommenden Album ‚Fear of Missing Out, das kurz nach dem Jahreswechsel am 15.Januar 2016 erscheinen wird. Ihr Song ‚ People In Glass Houses Sink Ships‘ (Juhu, da sind wieder die ellenlangen Emo-Titel) schafft es so noch ganz knapp in meine persönliche Song-des-Jahres-2015-Liste!

    Keine Ahnung, ob mich die Band über die gesamte Albumlänge unterhalten wird können (wir arbeiten aber daran, das herauszufinden) , da ich ja eigentlich kein großer Freund klassischen Emo-Pops bin (ich denke spontan an frühe Saves The Day, Promise Ring und Konsorten). Weil Losing Sleep schlau sind, haben sie um die Leute anzufixen als Vorab-Tracks solche mit Hit-Potenzial und catchy Refrains herausgepickt.

    Die Rechnung scheint zumindest bei mir vollends aufgegangen zu sein und so kann ich euch kurz vor Jahresschluss noch eine weitere frische Band ans Herz legen. Bislang haben die Londoner ein Demo sowie ein Split-Release mit T-Shirt Weather (geiler Name!) herausgebracht, ‚Fear of Losing Out‘ wird also das erste vollständige Album. Bei mir haben ja Bands mit feinem englischen Akzent (die Jungs kommen aus dem Londoner Stadtbezirk Kingston Upon Thames) sowieso einen riesigen Bonus, den sie nicht so schnell verspielen werden– das wünsche ich mir jedenfalls fürs kommende Jahr.

    Links & Infos Losing Sleep – Fear Of Missing Out LP

    Bandcamp
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    Gathering Ground – Figure it Out EP

    Alle, die ich Mitte der 90er Jahre mochte, mochten auch Gathering Ground und ihre einzige Veröffentlichung namens Figure It Out. Die 7′ habe ich damals auf dem Plattenspieler meiner Eltern rauf und runtergespielt und auf unzählige Mixtapes gebannt, die ich aufnahm, um die Schule zu überleben. Mindestens einer der beiden Songs (‚Tumble‘ oder ‚Bluegreygreen‘) fand sich auf Zusammenstellungen, die ich für Freunde und Bekannte aufnahm, die mich baten, ihnen eine Punk, Hardcore oder Emo-Kassette aufzunehmen. Es hat alles nichts geholfen, die Jungs aus Buffolo sind damals sang- und klanglos untergegangen. Es kam nichts nach, so sehr ich auch hoffte. +

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    Kill Valmer: BADABOOM! Review und Hörprobe

    BADABOOM! ist das Debütalbum von Kill Valmer, die feucht-fröhlichen gute Laune Punkrock spielen, aber aus der deutschen Spießerhauptstadt Stuttgart kommen. Recht unbeschwert gehen sie zu Werke und zeigen, dass in der Schwabenmetrole nicht nur verkopfte und querulante Personen heimisch sind.

    Bereits 2010 begannen die vier Jungs aus Stuttgart ihr Unwesen in der Region zu treiben und veröffentlchten ihr Demo „This is Stuttgart – Not L.A.“, „Shipwrecked“ von 2012 war anschließend ihre erste richtige Veröffentlichung. Danach war scheinbar klassische Nachwuchsarbeit als Supporting Act bekannterer Bands wie etwa Swinging Utters oder Teenage Bottlerocket angesagt, die ich hier auch als Referenzen (gerade die Zweitgenannten) nennen möchte, wenn es darum geht, den Sound von Kill Valmer zu beschreiben.

    Das erste Album ist eine Sammlung feucht-fröhlicher „Gute Laune Songs“, die in Kombination mit Sommer, Sonne und Bier sicherlich ihr volles Potenzial entfaltet und das Zeug dazu hat, die Stuttgarter auch überregional bekannt zu machen. Notfalls dient BADABOOM! als Ersatz für eine/oder wahlweise alle obigen Bedingungen. Punkrock-Koryphäe Lady Gaga empfiehlt euch übrigens den dritten und zehnten Song anzuspielen, und es bleibt mir zum Schluss nur noch übrig mich der Meinung dieser musikalischen Instanz zu beugen 🙂

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    Constant Insult – Self Titled 12“ EP

    Das ist hier so etwas wie das Debüt, zumindest das erste Lebenszeichen der Band aus Minneapolis, das auch auf Vinyl erscheint. Davor veröffentlichten Constant Insult eine Demo-Tape in ganz klassischer Manier auf Kassette.

    Das Debüt des Quartetts (drei Herren und eine Dame) ist auf Let’s Pretend Records erschienen, so wie auch das Album von Chucky Waggs, das ich euch kürzlich vorgestellt habe. Musikalisch haben wir es aber hier mit einer anderen Baustelle zu tun: es gibt klassischen Punk Rock mit einem wehmütigen Touch. Die Songs sind flott, ohne Geschwindigkeitsrekorde brechen zu wollen, das rockt, treibt, schrammelt und scheppert also ganz ordentlich; und obwohl alle sechs das Rad nicht neu erfinden, bleiben sie im Ohr hängen. Müssen also schlicht und ergreifend gute Songs sein, die mit abwechselnd männlich/weiblichem Gesang unterlegt werden. Beide Sänger gehen sehr engagiert ans Werk und geben der ganzen Sache den gewissen Wie­der­er­ken­nungs­wert, den es braucht, um Constant Insult aus der Heerschar ähnlicher Bands hervorstehen zu lassen.  Song 3 (‚Forwarding Adress‘) erinnert von der Gitarrenarbeit an The Buzzcocks. An Anspieltipps kann ich euch ‚No Beginning‘ und ‚Broken Bones‘ nahelegen.

    Hörprobe Constant Insult – Selt Titled 12

    Bandcamp-Präsenz
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    Wimps Suitcase Album (Kill Rock Stars, 2015)

    In der Kategorie mutigstes Frontmann/-Bandfoto spielt das aus Seattle stammende Trio namens Wimps mit Sicherheit mit, aber ihr neuestes Machwerk Suitcase weiß ebenfalls auf seltsame Art und Weise Akzente zu setzen.
    Die Band spielt bewundernswert monoton – Trägheit, Faulenzertum und Zynismus werden stringent und charmant umgesetzt, so dass es eine Art wahre Freude ist, ihnen bei der musikalischen Umsetzung dieses ach-so bekannten Lebensgefühls zuzuhören.

    „Sit around on the couch / Lay around on the couch / Fool around on the couch.” (aus: Wimps – Vampire)

    Wären in sämtlichen Castingsshows allein aufgrund des Bewerbungsfotos durchgefallen.
    Wären in sämtlichen Castingsshows allein aufgrund des Bewerbungsfotos durchgefallen.

    Selbstredend habe ich Suitcase auf dem Sofa liegend gehört und hatte danach noch viel weniger Bock aufzustehen als sonst – DAS muss eine Band auch erst einmal schaffen. Wenn man so will also, sind (the/die) Wimps die perfekte Wohnzimmerband, ohne den ganzen Sex & Drugs“-Mist, nur purer Rock ‚N‘ Roll in Form new wavig-angehauchten (Post-)Punks.

    Hörprobe & Infos Wimps – Suitcase

    Bandcamp-Profil
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    Chucky Waggs – Low Road Ramble LP Review

    In einem Review zu Low Road Ramble, dem zweiten Album des Americana-One-man-band-Künstlers Chucky Waggs heißt es sinngemäß, die Musik eigne sich prima, um im Sommer auf der Veranda Whiskey und Limonade trinkend zu sitzen. Eine Südstaaten-Veranda am Besten, die ich hier in Deutschland nicht habe, aber dank der globalen Erwärmung kommen beim Thema Sommer auch noch im Dezember entsprechende Gefühle auf- zumindest wenn man Limonade zur Hand hat und die Musik von Chucky Waggs auflegt.

    Nach dem ersten, in Eigenregie veröffentlichtem Debüt namens ‚Company of Raggs‘, erscheint das zweite Album via Let’s Pretend Records aus Bloomington, Indiana. Zudem hat sich der Singer/Songwriter aus Eureka Springs, Arizona, bürgerlich Charles Adam Wagner, für einige der insgesamt 11 Songs einige Studio/Session-Musiker hinzu geholt, die ihn wohl auch live ab und an unterstützen. Ansonsten spielt der gute Mann so ziemlich alles, was das Potpourri traditioneller US-amerikanischer Musik so hergibt:ob Gitarre, Banjo, Mundharmonika oder Kazoo. Das klingt jetzt alles andere als punkig, ist es musikalisch im Grunde auch nicht , viel eher stehen Country, Bluegrass oder Folk auf der Speisekarte. Das kennt man in ähnlicher Form von anderen Künstlern/Sängern, etwa von Tim Barry (Avail) oder Tim Vantol.

    Die Songs sind aber noch ein ganzes Stück erdiger und kerniger als bei den genannten Referenzen, musikalisch ist das kein Punk-Folk-Crossover, sondern sehr klassisch und traditionell angelegt. Textlich, von der Energie und der ganzen Ethik/Herangehensweise her lassen sich aber durchaus Anknüpfungspunkte zum Punk/HC-Genre finden.

    Keine Ahnung, wie man das als US-Amerikaner beurteilt, wenn so ein zotteliger Typ Musik spielt, die man gemeinhin woanders hin verortet. Auf die deutsche Situation übertragen finde ich das ja immer ein wenig affig und aufgesetzt, einzig die ganzen Hillbilly-Cowboy-Punks aus der bayerischen Provinz dürfen das – aber da hat es auch immer so einen komödiantischen/grotesken Beigeschmack. Chucky Waggs meint das auf Low Road Ramble ernst und macht das für mich als Außenstehenden auch gut–Reinhören!

    Stream & Links Chucky Waggs „Low Road Ramble“

    Bandcamp Künstler-Webseite
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    Shunkan – The Pink Noise (2015)

    Die letzten Tage über habe ich das ein oder andere Mal in ‚The Pink Noise‘ der neuseeländischen Band Shunkan reingehört. Die Band kommt aus Neuseeland und nicht wie der Name nahelegen würde, aus Japan oder Fernost. Zu hören gibt es gitarrenlastigen Indie-Pop mit weiblichem Gesang und einer punkigen, Lo-fi-igen Note.

    Shunkan bedeutet in der japanischen Sprache ‚Moment, in einem Augenblick‘ wie die 21-jährige Sängerin Marina Sakimoto in einem Interview verriet:

    I’ve struggled with being present in the moment. In Los Angeles, I was constantly planning and preparing for things that I had no control over. Shunkan in Japanese means ‚moment‘ or ‚in a moment‘, so that’s what I want to be. (in: BrooklynVegan)

    Das  Album ist einerseits schön stimmig, in sich geschlossen und durchaus geeignet Anflüge schlechter Laune zu vertreiben, andererseits aber auch ein wenig beliebig: summa summarum also wunderbar, um nebenbei wichtigere Dinge zu erledigen – Staubwischen, den Weltfrieden herstellen oder in der Nase popeln waren spontan die ersten drei Dinge, bei denen ich die 11 Songs habe laufen lassen. Das hört sich jetzt ein wenig vernichtend an, ist aber im Fall von Shunkan und ‚The Pink Noise‘ gar nicht so gemeint. Hört selber einmal rein, weiter unten (das Bild der Vinyl-Version musste ich in voller Auflösung einfügen, schaut nämlich gut aus und passt prima zur Musik) habe ich den Stream von der Bandcamp-Seite verlinkt.

    pink_noise Hörprobe und Links: Shunkan – The Pink Noise (2015)

    Facebook-Seite
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    Buzz Rodeo – Sports Review und Stream

    Eine Medaille haben sich potenzielle Käufer des ersten Buzz Rodeo-Albums namens Sports nicht nur per se verdient, sondern sie bekommen diese besondere Auszeichnung sprichwörtlich auf dem Platten- respektive Präsentierteller serviert. Aber auch musikalisch wissen Buzz Rodeo sportliche Akzente zu setzen – ob es zu mehr als einer lobenswerten Erwähnung in Form einer Teilnehmerurkunde gereicht hat, verrate ich in den nachfolgenden Zeilen.

    Auf dem Debüt der drei Herren aus der Ländle-Hauptstadt tummeln sich insgesamt 11 Songs, die an die späten 80er/Mitte der 90er Jahre erinnern und musikalische Fäden aufnehmen, die zum einen in Deutschland von BluNoise Records gesponnen wurden und andererseits von jenseits des Atlantiks –genauer gesagt aus Washington, DC und Detroit (bzw. Chicago)– herüberreichten: Dischord und Touch & Go hatten nachdem die erste/zweite Welle so langsam am Abklingen war, musikalisch umgesattelt und verstärkt Bands aus dem– im weitesten Sinne- Post-Hardcore herausgebracht. Aus der variierenden Schnittmenge von Post-Hardcore und Noise-Rock generieren Buzz Rodeo ihr eigenes explosives Gemisch. Okay, Thema beendet, Review fertig, denn alle wissen jetzt Bescheid…oder eben doch nicht.

    Um ehrlich zu sein habe ich diese Art von Musik in den 90ern links liegen lassen, das war mir damals viel zu angestrengt und überambitioniert. Ich war da musikalisch, sagen wir es einmal beschönigend, eher „schlicht“ unterwegs. Fugazi gingen ja gerade noch so, ebenso Drive Like Jehu, weil ich öfters positive Rezensionen darüber in Fanzines wie HeartattaCk las. Aber spätestens bei den ganzen Touch & Go-Sachen war für mich Schluss. Von den ganzen BluNoise-Veröffentlichungen will ich erst gar nicht reden. Die Verbindung zwischen den Necros und Jesus Lizard sah/hörte ich einfach nicht.

    Zudem erinnerte mich der Sound viel zu oft an schlecht besuchte Nachwuchsband-Festivals und Gymnasium-Oberstufenparties auf denen ich mich mangels besserer Alternativen und einen großen Portion Langeweile herumtrieb.

    Buzz Rodeo

    Was das jetzt mit Buzz Rodeo zu tun hat? Nicht besonders viel, ich schweife ab, aber es sind eben diese Gedanken, die mich plagen, wenn ich Sports laufen lasse. Nur das eben jetzt Mal so nebenbei 20 Jahre vergangen sind und es seltsam anmutet über Musik zu schreiben, die mir damals ganz eindeutig am Arsch vorbei ging. Aber wie mimte Bushido so schlecht: „Zeiten ändern dich“ – und so finde ich überaus viel gefallen am von Whosbrain Records und Radio Is Down in Zusammenarbeit veröffentlichten Material: Es sprudeln die Ideen, Melodien und wiederkehrende Elemente werden immer wieder durch querschießende Parts, einer ganze Spur Noise und Dreck, zerrütet, wieder aufgenommen und zerstossen; der Bass treibt sein Unwesen, die Rhythmus-Fraktion darf sich auch austoben. Das ist nicht gerade Musik, die ich zum Entspannen auflegen würde. Wo ich aber früher schreiend weggelaufen wäre, höre ich nun gespannt zu. Das hat weniger mit meiner musikalischen Toleranz und meinem Weitblick zu tun (okay vielleicht ein bißchen…) als vielmehr mit der Qualität des Trios. Mein Favorit ist übrigens Brick Lane, der eine perfide Ohrwurm-Qualität besitzt. Bei Buzz-Rodeo ist immer etwas los, ohne dass die Jungs in pures Chaos oder gekonnt arrangierte Langeweile abdriften.

    Eine weitere Sache, die nur indirekt etwas über die Musik verrät, aber bestimmt etwas über die Musiker und beteiligten Labels, ist die Aufmachung des Albums. Für Käufer der CD- bzw. der Vinyl-Version hat man sich besonders viel Mühe gegeben und diese Liebe zum Detail muss besondere Erwähnung finden. Die in kleiner Auflage auf 180g gepresste LP gibt es in einer „special“ (mit Plastik-Emblem) sowie „very special„-Version: letztere kommt mit Metall-Emblem, Kartenspiel etc (siehe Bilder unten). Habe ich selber zwar nicht, schaut aber wirklich sehr verlockend aus.  Selbst tendenziell vernachlässigte CD-Käufer bekommen einiges fürs Geld bekommen. Der ansonsten inflationäre Gebrauch von Superlativen ist an dieser Stelle also absolut gerechtfertigt – siehe Bilder unten (alle Bilder : Bandcamp-Seite)

    Als kleines Fazit kann ich festhalten, dass es zum Glück noch Bands wie Buzz Rodeo gibt , die zu später Einsicht neigenden Menschen eine Möglichkeit geben, auch aktuelle Vertreter eines zuvor ignorierten Genres kennenzulernen. Ob das was Buzz Rodeo auf Sports sowie andere Bands wie die aus Toronto stammenden Metz veranstalten (noch/wieder) eine Relevanz für den aktuellen popkulturellen Diskurs besitzt,  geschenkt und völlig egal. Kann ich auch gar nicht beurteilen. Was aber Buzz Rodeo auf ihrem Debüt veröffentlicht haben, macht mir zumindest viel mehr Spaß als irgendwelche Bundesjugendspiele. Von daher bin ich durchaus geneigt für ihr besonders wertvolles Bemühen um meine musikalische Späterziehung so etwas wie meine eigene, kleine Siegerurkunde zu verleihen!

    Buzz Rodeo – Sports Hörprobe & Links

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